CW Bauer
 

 

 

 

 

projekte mit kindern für kinder

Peter, Pan & Poesia

 

Peter stand wie angewurzelt. Ob ihn die Frau bemerkt hatte? Bestimmt, sonst würde sie ja nicht geradewegs auf ihn zukommen. Er hatte sie schon von weitem gesehen, noch kurz überlegt, ob er sich nicht verstecken sollte, jetzt war es zu spät dazu. Gehörte ihr das Land, in dem er sich befand? Das reimte sich sogar, dachte sich Peter. Komisch, das war ihm noch nie aufgefallen, daß sich etwas reimte, was er sich dachte. Die Frau kam näher, immer näher, immer näher. Peter hörte, daß sich der Gedanke in seinem Kopf wiederholte wie ein Echo, auch das war Peter noch nie passiert, allmählich wurde ihm unheimlich. Wo bin ich hier bloss hingeraten, kann mir das irgendwer – Peter stockte, verbiss sich das letzte Wort, denn er wusste, es würde sich wieder reimen. Scheu blickte Peter um sich. Nein, er hatte keine Ahnung, wie er hierher gekommen war. Rechts von ihm standen Bäume, wie er sie noch nie gesehen hatte, hinter ihm lag ein Fluss, dessen Wasser honigfarben aussah, und dort drüben, das Gebüsch, war das etwa Schilfrohr? Peter schaute genau hin. Das war Schilfrohr! Und erst jetzt erkannte er den Mann, der dort im Schilf stand und Rohre zusammenband. Plötzlich erinnerte sich Peter an die Geschichte von der Entstehung der Panflöte und da wusste er auch, was ihn hierher geführt hatte: die Suche nach Corinna. Er war ihr also nach Arkadien gefolgt, so hiess nämlich das Land, fiel Peter wieder ein. Und der Mann dort im Schilf, das war Pan. Aber was half ihm sein Wissen nun, die Frau stand direkt vor ihm, gleich würde sie ihn –
»Wie heisst du«, fragte die Frau und lächelte ihn an.
Peter stotterte seinen Namen, sah sich die Frau genau an. Hübsch war sie, sogar sehr. Von weitem hatte sie alt ausgesehen, doch jetzt, wo sie vor ihm stand: ihre Handbewegungen, ihr Lächeln, ihre Augen – wie die eines jungen Mädchens. Und auch ihre Stimme klang ganz jung und zudem sanft. Nein, diese Frau wird mir nichts tun, dachte Peter, und vielleicht weiss sie, wo Corinna ist. Peter fasste sich ein Herz und fragte die Frau nach ihrem Namen.
»Mich nennen alle Poesia«, gab sie zur Antwort.
Komischer Name, dachte Peter, doch irgendwie wunderte ihn nichts mehr, und selbst wenn ihm die Frau nun sagen würde, sie wäre über hundert Jahre alt. Na, mal sehen, Peter grinste, »und wie alt bist du«, fragte er die Frau.
»Ach, ein paar tausend Jahre hab ich schon auf dem Buckel«, antwortete Poesia...

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